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Wahlkabine

Die bewährte Onlineplattform zur Europawahl

ORF FM4, 28. April 2009 ORF FM4, 28. April 2009

ORF FM4-Interview vom 29. April 2009.


Am 7. Juni ist Europawahl. Ab heute gibt es wieder einen neuen Fragenkatalog auf der bewährten Onlineplattform "Wahlkabine". Martin Wassermair, Politikwissenschafter und Miterfinder der Wahlkabine, im Interview.


Wie funktioniert die Wahlkabine?

Martin Wassermair: User und Userinnen beantworten 25 Fragen. Dann pr√§sentiert die Plattform ein Ergebnis, das aussagt, mit welcher Partei die eigenen Ansichten am ehesten √ľbereinstimmen - und wie gro√ü die Distanz zu den jeweils anderen Parteien ist.

Die Wahlkabine gibt es seit 2002. Was ist neu?

Neben den 25 Fragen erkl√§ren wir jetzt auch einzelne politische Begriffe, es gibt ein sogenanntes Glossar. Ein Beispiel: Vordergr√ľndig hat vielleicht jeder eine Meinung zur Frage des freien Universit√§tszuganges. Aber viele wissen nicht, wie das in √Ėsterreich genau geregelt ist, bzw. wie sich √Ėsterreich in dieser Hinsicht von anderen europ√§ischen Staaten unterscheidet – und das versuchen wir zu erkl√§ren, in knappen Texten.

Wie habt ihr heuer die 25 Fragen erstellt?

Wir arbeiten einige Monate am Fragenkatalog. Wir selbst sind PolitikexpertInnen und wir laden JournalistInnen verschiedener Medien ein. Gemeinsam entwickeln wir etwa 100 Fragen, die wir als wichtig erachten und gemeinsam diskutieren. Hier geht es nicht nur um Fragen, die ohnehin t√§glich in den Zeitungen zu lesen sind, derzeit etwa die Finanzkrise oder die Arbeitsmarktpolitik. Sondern es geht auch um Themen, die gar nicht so oft diskutiert werden, zum Beispiel Menschenrechtsverletzungen in Europa, oder die Frage, wie Politik mit dem Ph√§nomen Rassismus umgeht. Es wird √ľberlegt, was tats√§chlich wichtig ist, damit auch alle Themen in diesem Spektrum vertreten sind. Dann gibt es eine schwierige Sitzung, wo wir den Katalog auf 25 Fragen eingrenzen.

Warum 25 Fragen?

Es ist ein Ergebnis langj√§hriger Erfahrungen. 25 ist genau jenes Ma√ü, bei dem Userinnen und User nicht zu ungeduldig werden. W√ľrde es l√§nger dauern, was manche immer wieder fordern, dann wird es doch f√ľr viele zu aufw√§ndig. Und zu wenige Fragen d√ľrfen es auch nicht sein, damit wir das Ergebnis sinnvoll kalkulieren k√∂nnen.

War es schwieriger, diesen Fragenkatalog f√ľr eine Europawahl zu erstellen, als z.B. f√ľr eine Nationalratswahl?

Ehrlich gesagt ja, weil wir alle angesichts dieser europ√§ischen Dimension Neuland betreten. Auch wir m√ľssen eingestehen, dass f√ľr uns europ√§ische Themen nicht immer so tagt√§glich gel√§ufig sind. Au√üerdem haben wir die Wahlkabine f√ľr die EU-Wahl heuer zweisprachig gestaltet, Deutsch und Englisch, damit wir auch Menschen in anderen L√§ndern die M√∂glichkeit geben, bei wahlkabine.at mitzumachen.

Was ist deine persönliche Motivation, die Wahlkabine zu gestalten?

Meine Motivation schöpfe ich sehr stark aus der immer wieder sehr spannenden Erfahrung, dass Politik Spaß machen kann. Da gibt es einen Genuss. Es spornt an zu erforschen, welche Möglichkeiten es angesichts der so oft zitierten 'Politikverdrossenheit' gibt. Denn es ist keine Politikverdrossenheit, besonders bei Jugendlichen, sondern eine Verdrossenheit damit, wie sich Politiker darstellen, und wie sie in den Medien dargestellt werden, wo sie im Grunde viel sagen, aber keine Aussage treffen. Meine Motivation ist also, ein anderes Angebot zu stellen. Einen Ansporn zu schaffen, sich mit den Themen auseinanderzusetzen.