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"Wollt's einen Orden, oder was?"

Zur Diskussion der zuMUTungen in den Gemeinden

Von Martin Wassermair. Erschienen in: KUPF. Zeitung der Kulturplattform OÖ, Nr.76, Mai 1998

Was in Wels seitens der Politik noch als Verstoß gegen Recht und Gesetz gedeutet wurde, ist in Steyr bereits seit kurzem Wirklichkeit: Anhörung der Kulturinitiativen im Kulturausschuß. Die Stadt an der Enns scheint eine NasenlĂ€nge voraus zu sein. Irrtum, schrĂ€nkten die an der Diskussion beteiligten Vereinsvertreter ein.

ZurĂŒckhaltung und Entbehrung sind die wohl augenscheinlichsten Merkmale einer gemeinsamen kulturpolitischen RealitĂ€t in Oberösterreichs Gemeinden. Soferne im Zusammenhang mit Kultur im kommunalen Raum ĂŒberhaupt von Politik im Sinne konzeptorientierter Gestaltung gesprochen werden kann. Und damit steht man unmittelbar vor der allerersten Frage. Es bleibt nicht bei dieser einen, wie eine derzeit aktuelle Reihe von Diskussionsveranstaltungen in den Gemeinden mit den politisch Verantwortlichen zeigt. Grundlage dafĂŒr bilden die zuMutungen der KUPF. Nach bereits vier absolvierten Etappen, hier nun eine vorlĂ€ufige Bilanz.

Schon der Auftakt im "Roßmarkt" in Grieskirchen machte deutlich, wie notwendig zunĂ€chst eine grundlegende Entwirrung ist. Auf die Frage, welchen Stellenwert die Kultur in der Gesamtheit der stĂ€dtischen Politik erfĂ€hrt, reagierte der zustĂ€ndige Stadtrat Oskar Hofmann verstĂ€ndnislos und defensiv. "Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, Kultur zu machen, sondern Sache der vielen Vereine", die das Rathaus schließlich fĂŒr deren AktivitĂ€ten unterstĂŒtzt. Horst Scheiböck und JĂŒrgen Volgger, als Gastgeber im Heimspiel auf dem Podium, entgegneten und erinnerten an den starren Rahmen, der ihre tĂ€gliche Kulturarbeit mit großer ZurĂŒckhaltung umgibt. Diesen fortzuentwickeln, in Abkehr von tradierten Mustern, solle Herausforderung sein fĂŒr eine zukunftsweisende und couragierte Politik. Die Kulturinitiative mĂŒsse Voraussetzungen vorfinden, aus der Rolle der Bittstellerin herauszutreten. Erst recht im Sinne stĂ€dtischer Entwicklung, denn nur eine neue Partnerschaft verhelfe Grieskirchen zum Ziel eines kulturellen Zentrums in der wirtschaftlich stagnierenden Region. BĂŒrgermeister Wolfgang Großruck nickte und gestand mit der Zusage auf Teilnahmemöglichkeit an der kommunalen Leitbilderstellung erstmals öffentliche Anerkennung ein.

Weniger einvernehmlich verlief die Diskussion um partnerschaftliche Anerkennung in der GesprĂ€chsrunde in Wels. Auch hier mußte eindringlich darauf hingewiesen werden, daß die niedrig bemessene Gleichmacherei der Vereinsförderkonvention den erbrachten Leistungen nicht Rechnung trĂ€gt. "Die Finanzierungsanteile der Magistratsverwaltung am Programm von 'waschaecht'", beklagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Haslinger, "seien bestenfalls ein Akt der Duldung. Von der stĂ€dtischen WertschĂ€tzung gegenĂŒber Kulturereignissen zur ReprĂ€sentation ist die Szene der Kulturinitiativen in Wels noch weit entfernt". Hermann Wimmer, altgedienter Gemeinderat im Kulturausschuß, setzte daraufhin auf die Wirkung des Humors: "Ja, wollt's einen Orden, oder was?" GĂŒnther Kalliauer, Obmann des "Programmkino", und Stefan Hattinger, Frontman von "the ape ltd.", erwiderten den verlegenen Zynismus sachlich. Jetzt weiß auch VizebĂŒrgermeister und Kulturstadtrat Martin Stieger von jenen HĂŒrden, die der bĂŒrokratische Ablauf seines Amtes den kulturell Engagierten immer wieder vor die FĂŒĂŸe legt.

Was in Wels seitens der Politik noch als Verstoß gegen Recht und Gesetz gedeutet wurde, ist in Steyr bereits seit kurzem Wirklichkeit: Anhörung der Kulturinitiativen im Kulturausschuß. Die Stadt an der Enns scheint eine NasenlĂ€nge voraus zu sein. Irrtum, schrĂ€nkten die an der Diskussion beteiligten Vereinsvertreter ein. Gemeinsam mit Mike GlĂŒck, dem Sprecher des neuen Jugendkulturhauses in Steyr, vermissen Helmut Schönleitner und Andi Liebl, die Vorsitzenden der KUPF-Mitglieder "Akku" und "Kraftwerk", noch immer jede Transparenz. Es ist ganz einfach nicht ersichtlich, welche kulturpolitische Überlegung der kommunalen Mittelvergabe zugrundeliegt. Im Gegensatz dazu gestaltet sich die AnsuchensformalitĂ€t auf abschreckende Art und Weise mĂŒhsam, neue Projekte haben bei der gegenwĂ€rtigen Budgetfortschreibung kaum irgendeine Chance, und auch die genauen ZustĂ€ndigkeiten seien mehr schlecht als recht geklĂ€rt. Kulturstadtrat Dietmar Spanring und der Vorsitzende des Kulturausschusses, Engelbert Lengauer, versprachen, noch in dieser Amtsperiode Abhilfe zu schaffen. Um auch tatsĂ€chlich weiterhin im Dialog zu bleiben, einigte man sich auf die Einrichtung eines eigens dafĂŒr vorgesehenen Gremiums. Damit erhielt die Hoffnung in Steyr neue Nahrung und trĂ€gt ab sofort die Bezeichnung "Kulturquartal".

Bei der Diskussionsrunde in Freistadt wurde die Gemeinde Gutau miteinbezogen. Deren BĂŒrgermeister Fritz Gerhartinger betonte das friktionsfreie Miteinander, die Akzeptanz gegenĂŒber den AktivitĂ€ten des Kulturvereins sei keineswegs in Frage gestellt. Doch Harald Freudenthaler, Obmann der "Alten Schule Gutau", ließ nicht nach: "SchwellenĂ€ngste der ortsansĂ€ssigen Bevölkerung sind noch vorhanden. Es ist daher mit eine Aufgabe der Gemeinde, diese allmĂ€hlich abzubauen." FĂŒr Freistadt sei es an der Zeit, meinte Wolfgang Steininger, der Mann an der Spitze der "Local-BĂŒhne", den Vorschlag der KUPF aufzugreifen, um ein zukunftsweisendes Leitbild zu entwickeln. Alexander Gratzl, erster UmrĂŒhrer im "cultURkompott", ergĂ€nzte den Appell mit Erfahrungen aus jugendlicher Sicht. Stadtoberhaupt Josef MĂŒhlbachler und Ausschußvorsitzender Peter Knoll blockten ab. "Leitbilder verlieren sich in GemeinplĂ€tzen, sind fĂŒr das politische Vorgehen zu unkonkret." Freistadt ist somit durchaus symptomatisch fĂŒr eine Situation, die es in vielen Gemeinden zu Ă€ndern gilt. Das Zusammenleben hat sich im Laufe der Jahre eingespielt, auf den Ruf nach perspektivischer Mitgestaltung folgt vielfach: ZurĂŒck an den Start!

Und abschließend noch einmal zur Frage nach den Insignien der WertschĂ€tzung initiativer Kulturarbeit. An einem Orden ist dabei wohl niemandem gelegen. Über die goldene Ehrennadel der Marktgemeinde Ebensee als Auszeichnung fĂŒr langjĂ€hrige Verdienste ihres Kulturvereins haben sich die BrĂŒder Klaus und Konrad Wallinger aber dennoch sehr gefreut.