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Mit dem UR-WERK tickt die Uhr am Rossmarkt

Koexistenz kulturinitiativer Generationen

Von Martin Wassermair. Erschienen in: KUPF. Zeitung der Kulturplattform O├ľ, Nr.73, Oktober 1997

Urspr├╝nglich suchte eine Handvoll Jugendlicher in ihrer Schulstadt den f├╝r die Gr├╝ndung einer Zweigstelle der "Aktion kritischer Sch├╝lerInnen" erforderlichen Raum. In den vier W├Ąnden am Ro├čmarkt f├╝ndig geworden, erkannte das junge Engagement, da├č Schulpolitik alleine, bei der noch dazu alle der gleichen Meinung sind, weder gro├čen Spa├č macht noch von langer Dauer ist. Sich hingegen als revitalisierende Zelle in der herbergsstiftenden KI einzunisten, hat bedeutend mehr von beidem.

Im Gebrauch der Symbolwelt stehen Zahnr├Ąder f├╝r den Aufbruch in eine neue Zeit. Ob bei Charlie Chaplin in "Modern Times" oder in Fritz Langs "Metropolis" - wo immer die metallenen Bei├čerchen ineinandergreifen, folgen radikaler Umbruch und gesellschaftliche Reorganisation. Im Kleinen verh├Ąlt es sich nicht anders, wenn auch zumeist nicht ganz so spektakul├Ąr. Der Kulturverein Ro├čmarkt 1 in Grieskirchen jedenfalls hat seit bereits einem halben Jahr mit Zahnr├Ądern zu leben gelernt und sch├Ątzt sich dar├╝ber dennoch ausgesprochen gl├╝cklich.

Urspr├╝nglich suchte eine Handvoll Jugendlicher in ihrer Schulstadt den f├╝r die Gr├╝ndung einer Zweigstelle der "Aktion kritischer Sch├╝lerInnen" erforderlichen Raum. In den vier W├Ąnden am Ro├čmarkt f├╝ndig geworden, erkannte das junge Engagement, da├č Schulpolitik alleine, bei der noch dazu alle der gleichen Meinung sind, weder gro├čen Spa├č macht noch von langer Dauer ist. Sich hingegen als revitalisierende Zelle in der herbergsstiftenden KI einzunisten, hat bedeutend mehr von beidem. Und tats├Ąchlich ist die Gruppe mittlerweile als ernstzunehmender Bestandteil im Gesamtgef├╝ge des Ro├čmarkts integriert. "Ur-Werk" sollte das Unternehmen von Anfang an hei├čen, und die Wahl des Namens verr├Ąt bereits etwas vom Charakter des Projekts: "Wir verbinden f├╝r uns damit die Arbeitssituation einer Werkst├Ątte mit dem urigen Flair des Hauses", erkl├Ąrt J├╝rgen Volgger, mit seinen 19 Jahren wohlgemerkt der ├älteste im Team. Dieses ist auf G├Ânnerhaftigkeit der Alten nicht angewiesen, denn es verf├╝gt – mit Zahnr├Ądern als Erkennungsmerkmal im Logo – ├╝ber ein eigenst├Ąndiges Profil. Das erzeugt Selbstbewu├čtsein und sp├╝rbar wird es im pers├Ânlichen Gespr├Ąch.

Von Gerid Hager, Claudia Hinterberger, Jutta Greifender und Sabine Mach, alle vier so um die 18, ist zu erfahren, da├č sie ihren Eintritt in den Verein als eine Art Befreiung von Grieskirchen sehen. "Diese Stadt ist unm├Âglich, hier tut sich f├╝r Jugendliche wie uns ansonsten nichts." Ergeht es den anderen denn nicht ebenso? "Wir sind sicher eine Minderheit. Wir wollen nicht nur passiv konsumieren, sondern selbst mit unseren Ideen etwas auf die Beine stellen.!" Seitdem finden Zahnr├Ąder auch Eingang ins Kulturprogramm. Wenn einmal im Monat die Musik der von ├╝berall herbeigerufenen Bands und Djs durch de R├Ąume donnert, sind diese zumeist zum Bersten voll. Dem zum Trotz gelingt das f├╝r diese Schiene gesteckte Ziel: Die Verbindung von musikalischen Angebot und der Chance, in einem gem├╝tlichen Rahmen zu kommunizieren. "Das hat die Ro├čmarktler bislang am meisten beeindruckt", schw├Ąrmen die Newcomer, "und mittlerweile sind schon manche Bandinfos ausschlie├člich an 'Ur-Werk' adressiert". Die Zeiten ├Ąndern sich. Wie steht es daher um Vorurteile und Ressentiments der Umwelt, die letztendlich auch das Urteil der Eltern pr├Ągen? "Die tolerieren das, was wir hier tun und sind manchnmal sogar froh dar├╝ber, da├č wir eigentlich etwas Gescheites tun." An die Mythen von exzessiver Ausschweifung und ruin├Âsem Drogenkonsum glaube in Grieskrichen ohnehin nur mehr ein unverbesserlicher kleiner Kern. Heute geht es um mehr: "Das Ur-Werk am Ro├čmarkt gibt uns das, was wir au├čerhalb kaum finden, n├Ąmlich Selbstbest├Ątigung."

Bei aller Nachwuchsfreude wollen Obmann Horst Scheib├Âck und Gesch├Ąftsf├╝hrer Dieter Zwirchmayer die "Ur-Werkler" nicht ├╝berfahren. "Wenn wir die Gruppe weiterhin in alle Abl├Ąufe des Vereinsgeschehens einbeziehen, ihre Eigenheiten sowie Kritik am Ganzen ernst nehmen", sind beide ├╝berzeugt, "dann er├╝brigt es sich, st├Ąndig auf die sp├Ątere ├ťbernahme zu dr├Ąngen." Dennoch bieten die Jungen gerade jetzt, wo es den Irrsinn eines Abbruchs des Hauses abzuwenden gilt, eine hoffnungsvolle Perspektive. Dem Verein insgesamt ist zu diesem Modell der friedlichen Koexistenz kulturinitiativer Generationen zu gratulieren. Gemeinsam haben sie vor allem aufgezeigt: Wer in der Kulturarbeit nicht lange von der Jugend redet, hat mehr davon.