Ramadan-Frühstück: Linzer FPÖ-Stadtrat trägt rechten Kulturkampf auf dem Rücken von Kindern aus

Konserve Kontroverse - die Kolumne mit Haltbarkeit

Anfang Februar 2026 ging die Nachricht um die Welt, dass Saif al-Islam al-Gaddafi erschossen wurde. Man könnte den Tod des Sohnes des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi als bloße Randnotiz in ohnehin kriegerischen Zeiten abtun. In Österreich ist das jedoch nicht ganz so einfach. Saif galt als Freund Jörg Haiders, der bereits im Mai 2000 als Kärntner Landeshauptmann die engen Verbindungen zur despotischen Dynastie in Tripolis nutzte, um günstigen Treibstoff für seine Diskonttankstellen zu beschaffen. Es war nicht das einzige augenzwinkernde Signal des rechtspopulistischen Agitators in Richtung der islamischen Welt. Zwei Jahre später besuchte Haider auch Saddam Hussein, der sich selbst stets als muslimische Speerspitze im Kampf gegen das internationale Judentum in Szene setzte. Als in arabischen Machtzentren gern gesehener Gast bekundete der FPÖ-Chef dem irakischen Diktator dennoch demonstrativ seine Solidarität.

Kaum eine politische Führungsfigur machte die Niedertracht der Freiheitlichen je so deutlich wie ihre Ikone Jörg Haider, der seiner berauschten Unbändigkeit im Jahr 2008 letztlich selbst zum Opfer fiel. Nachahmungsversuche lassen sich bei der in weiten Teilen rechtsextremen FPÖ bis heute beobachten. Nur leider bleibt die Öffentlichkeit von deren rassistischer Tölpelhaftigkeit und Geschichtsvergessenheit nicht verschont. Dazu ein aktuelles Beispiel: In einem Kindergarten des Linzer Stadtteils Urfahr war am 20. März 2026 ein Ramadan-Frühstück angesetzt – eine wertvolle Initiative zur Förderung des interkulturellen Lernens, die bei vielen Eltern der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren ausdrücklich Zustimmung gefunden hat.

Antimuslimische Stimmungsmache steht aber auch bei der FPÖ in der oberösterreichischen Landeshauptstadt dauerhaft auf dem Programm, das sollte offenkundig auch den Kleinsten ins Stammbuch geschrieben werden. „In großen Dingen“, notierte der französische Schriftsteller Nicolas Chamfort gegen Ende des 18. Jahrhunderts, „zeigen sich die Menschen so, wie man es von ihnen erwartet, in kleinen geben sie sich so, wie sie sind.“ In diesem Sinne legt Michael Raml, alleiniges FPÖ-Mitglied der Linzer Stadtregierung, mit seiner Forderung nach Absage des Ramadan-Frühstücks im Kindergarten ein deutliches Zeugnis seiner Haltung ab.

Islamfeindlichkeit und gesellschaftliche Spaltungsversuche auf dem Rücken von Kindern auszutragen, schadet dem friedlichen Miteinander. Die Muster sind einfach zu durchschauen: Muslimische Communities werden im Hinblick auf die Vielfalt von Kulturen, Herkunft und Lebensstilen ignoriert. Damit geht zugleich das hetzerische Narrativ einer Bedrohung für Sicherheit und Traditionen einher, das vorrangig Gegensätze zu einer vermeintlichen Mehrheitsgesellschaft konstruiert. Das ist einfach nur schäbig. Umso mehr bleibt zu hoffen, dass auch in Linz die Menschen entschieden dagegen aufstehen!

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