Der Tanz mit dem Wolf

Kulturpolitisches Portrait des neuen Vorsitzenden der IG Kultur Österreich

Zeitenwende in der IG Kultur, Österreichs Dachverband der Kulturinitiativen tanzt fortan mit dem Wolf – soweit der erste Eindruck nach der Generalversammlung Anfang April dieses Jahres, im vielversprechend siebenten seines Bestehens. Tatsächlich aber war der Wechsel an der Spitze so wenig spektakulär, weil auf Kontinuität bedacht, wie unvorhersehbar: Auf Franz Primetzhofer folgt Werner Wolf. Damit tritt ein Gründervater in die Fußstapfen des anderen. Denn hob der einen neben der KUPF eben auch die IG mit aus der Taufe, so gilt das für den anderen bei der noch jungen IG Kultur in der Steiermark sowie beim „Museum der Wahrnehmung“ in Graz. Franz Primetzhofer hatte demnach in den sechs Jahren seiner Obmannschaft naturgemäß die Anlaufschwierigkeiten der Konsolidierungs- und Anerkennungsphase zu meistern. Gegenüber den Behörden und der hohen Politik. Doch auch für seine integrativen Bemühungen nach innen gebühren im Lobsagung und unser aller Dank. Was aber erwartet die IG Kultur nun mit ihrem neuen Wolf?

Werner Wolf überzeugt zunächst durch Augenmaß.“Der Sektor der freien und autonomen Kulturinitiativen braucht jetzt kluges kulturpolitisches Handeln, das Utopien und Pragmatik auf eine Schiene bring.“ Eine Symbiose, so erklärt der gelernte Psychotherapeut, die den Dialog sucht, und  zwar mit der Gesamtheit der Politik. Schließlich soll nicht alleine der Verkehrsminister in seiner weiteren Zuständigkeit für die Kultur in diesem Lande angesprochen sein, wenn es um den strukturellen Ausbau geht, der umfassende Verbesserungen für Kulturinitiativen nach sich zieht. Augenblicklich sind es vor allem arbeitsrechtliche Bedingungen, die zur Sprache gebracht werden müssen, und diese berühren mehr als nur das Kunstressort. Zudem faßt Werner Wolf eine Offensive in der Frage der Kulturförderungsgesetze ins Auge, sowie weitere Akzeptanz autonomer Kulturarbeit durch ein Umdenken in der Vergabementalität, das Infrastrukturmaßnahmen gegenüber jenen der Programmförderung in ein ausgewogeneres Verhältnis rückt.

Und auch innerhalb der IG steht noch so manche Aufgabe ins Haus. „Wir dürfen bei der Weiterentwicklung nicht untätig sein. Trotz aller Unterschiede in den Bundesändern arbeiten wir daher umso bedachter an einem System der Gemeinsamkeit.“ Zudem ist auch zu überlegen, auf welche Weise die IG für die Vernetzungen nachhaltig wirksam werden kann. Werner Wolf denkt hier an die Möglichkeit verstärkter Starthilfe durch den Bund. Ein degressives Förderungsmodell über einen Zeitraum von 4 Jahren bilde keine bloße Illusion, sondern umfasse verschiedene Ministerien und nehme alle Gebietskörperschaften wohl überlegt und ohne Überlastung in die Pflicht. Daraufhin dürfte einer soweit reibungslosen Vertretungsarbeit von Dauer nichts mehr im Wege stehen.

„Selbstbewußt sein heißt auch, sich bewußt sein, was geleistet werden kann. Keinesfalls aber werden wir uns als wehleidigen Larmoyanten darstellen lassen!“ Und schon hat der neue Obmann zum Selbstbild ein Bonmot parat: „Wir sind nicht die klassische, soziokulturelle Bilderbuchszene. Vielmehr gilt es, auf vielen Beinen zu laufen, um sich auch tatsächlich zu emanzipieren.“ Viel Glück, Werner Wolf!