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Der Tanz mit dem Wolf

Kulturpolitisches Portrait des neuen Vorsitzenden der IG Kultur ├ľsterreich

Von Martin Wassermair. Erschienen in: KUPF. Zeitung der Kulturplattform O├ľ, Nr.66, Mai 1996

Werner Wolf fa├čt eine Offensive in der Frage der Kulturf├Ârderungsgesetze ins Auge, sowie weitere Akzeptanz autonomer Kulturarbeit durch ein Umdenken in der Vergabementalit├Ąt, das Infrastrukturma├čnahmen gegen├╝ber jenen der Programmf├Ârderung in ein ausgewogeneres Verh├Ąltnis r├╝ckt.

Zeitenwende in der IG Kultur, ├ľsterreichs Dachverband der Kulturinitiativen tanzt fortan mit dem Wolf – soweit der erste Eindruck nach der Generalversammlung Anfang April dieses Jahres, im vielversprechend siebenten seines Bestehens. Tats├Ąchlich aber war der Wechsel an der Spitze so wenig spektakul├Ąr, weil auf Kontinuit├Ąt bedacht, wie unvorhersehbar: Auf Franz Primetzhofer folgt Werner Wolf. Damit tritt ein Gr├╝ndervater in die Fu├čstapfen des anderen. Denn hob der einen neben der KUPF eben auch die IG mit aus der Taufe, so gilt das f├╝r den anderen bei der noch jungen IG Kultur in der Steiermark sowie beim "Museum der Wahrnehmung" in Graz. Franz Primetzhofer hatte demnach in den sechs Jahren seiner Obmannschaft naturgem├Ą├č die Anlaufschwierigkeiten der Konsolidierungs- und Anerkennungsphase zu meistern. Gegen├╝ber den Beh├Ârden und der hohen Politik. Doch auch f├╝r seine integrativen Bem├╝hungen nach innen geb├╝hren im Lobsagung und unser aller Dank. Was aber erwartet die IG Kultur nun mit ihrem neuen Wolf?

Werner Wolf ├╝berzeugt zun├Ąchst durch Augenma├č."Der Sektor der freien und autonomen Kulturinitiativen braucht jetzt kluges kulturpolitisches Handeln, das Utopien und Pragmatik auf eine Schiene bring." Eine Symbiose, so erkl├Ąrt der gelernte Psychotherapeut, die den Dialog sucht, und  zwar mit der Gesamtheit der Politik. Schlie├člich soll nicht alleine der Verkehrsminister in seiner weiteren Zust├Ąndigkeit f├╝r die Kultur in diesem Lande angesprochen sein, wenn es um den strukturellen Ausbau geht, der umfassende Verbesserungen f├╝r Kulturinitiativen nach sich zieht. Augenblicklich sind es vor allem arbeitsrechtliche Bedingungen, die zur Sprache gebracht werden m├╝ssen, und diese ber├╝hren mehr als nur das Kunstressort. Zudem fa├čt Werner Wolf eine Offensive in der Frage der Kulturf├Ârderungsgesetze ins Auge, sowie weitere Akzeptanz autonomer Kulturarbeit durch ein Umdenken in der Vergabementalit├Ąt, das Infrastrukturma├čnahmen gegen├╝ber jenen der Programmf├Ârderung in ein ausgewogeneres Verh├Ąltnis r├╝ckt.

Und auch innerhalb der IG steht noch so manche Aufgabe ins Haus. "Wir d├╝rfen bei der Weiterentwicklung nicht unt├Ątig sein. Trotz aller Unterschiede in den Bundes├Ąndern arbeiten wir daher umso bedachter an einem System der Gemeinsamkeit." Zudem ist auch zu ├╝berlegen, auf welche Weise die IG f├╝r die Vernetzungen nachhaltig wirksam werden kann. Werner Wolf denkt hier an die M├Âglichkeit verst├Ąrkter Starthilfe durch den Bund. Ein degressives F├Ârderungsmodell ├╝ber einen Zeitraum von 4 Jahren bilde keine blo├če Illusion, sondern umfasse verschiedene Ministerien und nehme alle Gebietsk├Ârperschaften wohl ├╝berlegt und ohne ├ťberlastung in die Pflicht. Daraufhin d├╝rfte einer soweit reibungslosen Vertretungsarbeit von Dauer nichts mehr im Wege stehen.

"Selbstbewu├čt sein hei├čt auch, sich bewu├čt sein, was geleistet werden kann. Keinesfalls aber werden wir uns als wehleidigen Larmoyanten darstellen lassen!" Und schon hat der neue Obmann zum Selbstbild ein Bonmot parat: "Wir sind nicht die klassische, soziokulturelle Bilderbuchszene. Vielmehr gilt es, auf vielen Beinen zu laufen, um sich auch tats├Ąchlich zu emanzipieren." Viel Gl├╝ck, Werner Wolf!