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Kulturpolitik: Ein Kurswechsel verlangt mutige Eingriffe!

Freunderlwirtschaft und Gro├čmannsucht als schwarzblaue Hinterlassenschaft

Von Martin Wassermair. Erschienen in: KUPF-Zeitung, Nr.122, September 2007

H├Âhepunkt ist im Kunstf├Ârderbericht 2006 die Zuwendung von 526.800 Euro f├╝r eine von Hans Hollein in China kuratierte Architektur-Ausstellung. Da nehmen sich die 38.709 Euro fast bescheiden aus, die Franz Morak seinem Freund Peter Weibel im Jahr davor eigenm├Ąchtig f├╝r eine Medienkunst-Darbietung nach Peking mitgegeben hat.

Vorweg die gute Nachricht: Franz Morak singt nicht mehr, tritt bisweilen auf keine Theaterb├╝hne und ist auch in der Rolle des Staatssekret├Ąrs f├╝r Kunst und Medien nicht auf der Regierungsbank zu sehen. Die schlechte Nachricht: Nach dem Ende der ├ľVP-Verantwortung f├╝r die Bundeskulturpolitik tritt deren Hinterlassenschaft immer noch zu Tage. Ende Juli wurde der Kunstbericht f├╝r das F├Ârderjahr 2006 der ├ľffentlichkeit vorgestellt.

Wer sich in die Bleiw├╝ste des Zahlenmaterials vertieft, kann sich davon ├╝berzeugen, dass sich der rechtskonservative Strukturwandel nachhaltig eingeschrieben hat. Freunderlwirtschaft, Klientelinteressen und Gro├čmannsucht kennzeichnen auch das letzte Jahr der kulturpolitischen Amtsaus├╝bung am Ballhausplatz. H├Âhepunkt ist da sicherlich die Zuwendung von 526.800 Euro f├╝r eine von Hans Hollein in China kuratierte Architektur-Ausstellung. Da nehmen sich die 38.709 Euro fast bescheiden aus, die Franz Morak seinem Freund Peter Weibel im Jahr davor eigenm├Ąchtig f├╝r eine Medienkunst-Darbietung nach Peking mitgegeben hat.

├ťberhaupt darf sich der Trend zur Festivalisierung 2006 angesichts eines Budgetzuwachses von 46,3% sehr zufrieden zeigen. Dem steht eine weitere Schw├Ąchung der strukturellen Unabh├Ąngigkeit gegen├╝ber. Im Bereich der Kulturinitiativen sind Jahresf├Ârderungen seit Jahren de facto abgeschafft. Neuerdings trifft diese Entwicklung auch die Medienkultur. Wer Finanzierung will, muss sich in das prek├Ąre System der Projektf├Ârderung begeben. Hier ist nichts von Dauer, alles bleibt irgendwie mikroskopisches Spektakel, und die gesellschaftliche Bedeutung erzielt bestenfalls eine Langzeitwirkung von Spr├╝hkerzen am Weihnachtsbaum. Und dennoch: Der Kunstbericht dokumentiert f├╝r die Medienkunst eine Jahresf├Ârderung f├╝r das Linzer Ars Electronica Center in der H├Âhe von 130.000 Euro (├╝brigens der einzige Nachweis einer Basisfinanzierung unter diesem Kapitel), w├Ąhrend etwa die bislang d├╝rftig dotierten Netzknoten aus Linz, Salzburg und Graz nicht mehr unter diesem Titel anzutreffen sind. Detail am Rande: Seit seiner Berufung durch Franz Morak im Jahr 2005 sitzt AEC-Leiter Gerfried Stocker in dem daf├╝r zust├Ąndigen Fachbeirat, der bis Ende 2006 gerade mal 3 Mitglieder (!) umfasste. Vor diesem Hintergrund muss es schon fast als eine saubere Vorgangsweise betrachtet werden, dass ein Reisekostenzuschuss f├╝r Stocker in der H├Âhe von 1.106,44 Euro von der Abteilung f├╝r kulturelle Auslandsangelegenheiten getragen wurde.

Das bisherige System der Intransparenz und Unvereinbarkeiten l├Ąsst sich mit dem Kunstbericht 2006 umfangreich veranschaulichen. Umso mehr gilt die gespannte Aufmerksamkeit der sozialdemokratischen Erbin dieser Hinterlassenschaft. Ministerin Claudia Schmied ist jedenfalls gut beraten, vom kulturpolitischen Kurs der schwarzblauen Episode abzukehren und einen Weg zu beschreiten, der den Kunst- und Kulturschaffenden Wertsch├Ątzung entgegen bringt. Nicht Prestige- und Gro├čprojekte sind Zukunftsmodelle f├╝r den politischen Wandel, sondern Ma├čnahmen zur strukturellen und sozialen Absicherung im Bereich von Kunst, Kultur und Medien. Mutige Eingriffe in die personellen Verflechtungen der Morak-Gehrer-Sch├╝ssel-Jahre sind daf├╝r unumg├Ąnglich.


KUPF